750-Tonnen-Kran birgt verunglückten Mobilkran aus Baggersee

12.03.2007 | Wiesbaden
Öl und Diesel drohen in Kiesgrube auszulaufen - Grundwasser gefährdet - Spezialfirma KUSS ist für Bergung verantwortlich

Mit einem von Europas größten Raupenkränen wird voraussichtlich ab dem 13. März ein verunglücktes Kranfahrzeug aus dem Baggersee einer Kiesgrube in Köln-Immendorf (Berzdorfer Straße) gezogen. Das 65 Tonnen schwere Fahrzeug ist am 20. Februar ins Wasser gestürzt und muss laut einer Anweisung der Stadt Köln "zur Gefahrenabwehr für den Boden und das anstehende Grundwasser" schnellstmöglich geborgen werden. Für die komplizierte Bergung wird ein riesiger Raupenkran nach Köln transportiert. Mit einer Tragkraft von 750 Tonnen und einer maximalen Hakenhöhe von 192 Metern überragt der ausgefahrene Gittermastraupenkran LRD 1750 den Kölner Dom um etwa 35 Meter.

Obwohl zurzeit keine akute Umweltgefährdung besteht, ist Eile geboten: Im Unglücksfahrzeug befinden sich rund 600 Liter Dieselkraftstoff und 300 Liter Hydrauliköl. Werden die Tanks undicht, laufen die gefährlichen Stoffe in den Baggersee, der direkt vom Grundwasser gespeist wird. Verantwortlich für das komplette Schadenmanagement ist die KRAVAG Umweltschutz und Sicherheitstechnik GmbH (KUSS), eine Dienstleistungstochter der R+V Versicherung in Wiesbaden, die unter anderem auf das Management von Umweltschäden spezialisiert ist.

Vom Unfall bis zur Bergung waren umfangreiche Vorarbeiten notwendig: Nach der Freigabe der Unfallstelle durch die Polizei wurden vorsorglich spezielle Ölsperren um das Fahrzeug errichtet und die Böschung mit Planen vor einer eventuellen Verunreinigung gesichert. Parallel dazu begann die Suche nach der geeigneten Bergungsmethode. Nur wenige Spezialisten in Deutschland haben ausreichend Erfahrung mit einer komplizierten Bergung von schwerem Gerät. "Wir haben gemeinsam mit Andreas Schmitz von der Umweltbehörde Köln verschiedene Möglichkeiten geprüft und uns unter anderem mit der Bundeswehr und Bergungstauchern aus dem Hamburger Hafen beraten", erklärt Gerd Henge, Ingenieur bei der KUSS.

Schließlich hat das Expertenteam entschieden, das eingesunkene Kranfahrzeug vom Ufer aus mit dem Raupenkran eines großen Spezialunternehmens aus Mainz zu bergen. Um für den 750-Tonnen-Raupenkran eine geeignete und tragsichere Plattform zu schaffen, wurden in den letzten Tagen rund 20.000 Kubikmeter - rund 1.200 Lkw-Ladungen - Erde bewegt. Arbeiter haben den etwa sechs Meter hohe Steilhang am Rand der Kiesgrube zum Teil abgetragen und neu verfestigt. Zuvor haben sie die Wirtschaftswege der Kiesgrube für die Kippfahrzeuge verbreitert und aufgeschüttet. Zusätzlich wurde mit Spezialplatten eine Baustraße geschaffen. Nur so kann KUSS eine risikoarme Bergung gewährleisten, denn Sicherheit hat oberste Priorität.

Erst als das Amt für Arbeitsschutz in Köln die Zufahrtswege und die Plattform für den Raupenkran freigegeben hatte, setzte sich LRD 1750 in Bewegung: 40 Sattelschlepper und Tieflader bringen den Bergungskran als Schwerlasttransport nach Immendorf, wo zwölf Profis das Fahrzeug innerhalb von zwei Tagen montieren. Am Dienstag, dem 13. März soll das verunglückte Kranfahrzeug angehoben, geschwenkt und auf festem Boden in einer Wanne abgesetzt werden, um eventuell auslaufendes Öl aufzufangen. Umweltexperte Henge sieht dem Termin mit Spannung entgegen: "Trotz optimaler Vorbereitungen bestehen bei einer solchen Aktion immer Restrisiken." Wenn alles planmäßig verläuft, ist die Umweltgefährdung beseitigt und der Betrieb der Kiesgrube wieder uneingeschränkt möglich. Technische Daten: Gittermastraupenkran LRD 1750

Max. Traglast bei Ausladung 750 t bei 7 m

Max. Lastmoment 9.548 tm

Hauptausleger, leicht/schwer 21 m - 140 m

Gitterspitze 28 m - 105 m

Derrickausleger 31,5 m

Maximale Hakenhöhe 192 m

Quelle: Pressemeldung R+V Versicherung AG

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