Atomkraftwerke abwracken

16.04.2010 | Hamburg
Mit zeitgleichen Aktionen an den Atomkraftwerken Brokdorf, Brunsbüttel, Krümmel und Neckarwestheim haben heute AktivistInnen von ROBIN WOOD und ContrAtom für den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie demonstriert. In Brunsbüttel stiegen sie auf den Turm eines Gaskraftwerks am AKW und spannten ein Banner mit dem Slogan: "Stopp Atom!"

In Brokdorf und Neckarwestheim stellten sie Dreibeine aus sieben Meter hohen Gerüststangen in die Zufahrten und hängten sich in deren Spitze. In Krümmel entrollten sie ein Banner mit der Aufschrift "Für Ökostrom - Vattenfall abschalten!" Mit ihren Aktionen rufen sie dazu auf, der Atompolitik von Bundesregierung und Energiekonzernen offensiv entgegenzutreten und sich in der kommenden Woche massenhaft an den vielfältigen Protesten anlässlich des Jahrestages der Tschernobyl-Katastrophe zu beteiligen.

Die atompolitische Debatte spitzt sich zu. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) lässt eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten auf bis zu 60 Jahre prüfen und bereitet eine Novelle des Atomgesetzes vor. "Die Pläne der Bundesregierung weisen komplett in die falsche Richtung. Schon der Atomkonsens war ein fauler Kompromiss. Unter Schwarz-Gelb soll es noch schlimmer kommen und die Abschaltung selbst der ältesten und unsichersten Meiler auf den St. Nimmerleinstag hinausgezögert werden", sagt ROBIN WOOD-Aktivist Daniel Häfner. "Atomkraftwerke gehören abgewrackt - jetzt, für immer und ohne jede Abwrackprämie in Form von Gewinnen aus dem Verkauf von Reststrommengen."

Die Schrottreaktoren Krümmel und Brunsbüttel stehen seit über zwei Jahren wegen gravierender Sicherheitsmängel still, ohne dass dies zu Engpässen in der Stromversorgung geführt hätte. In den Siedewasser-Reaktoren - die beide vom schwedischen Konzern Vattenfall betrieben werden und E.ON mitgehören - hat es mehrfach schwere Störfälle gegeben. Dazu zählten der Trafobrand am 28. Juni 2007, die erneuten Trafo-Probleme im Juli 2009 in Krümmel und die Knallgasexplosion in der Nähe des Reaktordruckbehälters am 14. Dezember 2001, bei der das AKW Brunsbüttel knapp an einer Katastrophe vorbei schrammte. Die schwedische Atomaufsicht bescheinigte Europas fünftgrößtem Energieversorger "Mängel in der Sicherheitskultur". Auch deutsche Politiker und Behörden, nicht zuletzt aus der schleswig-holsteinischen Landesregierung, kritisierten den Skandal-Konzern.

"Die richtige Antwort auf die mangelnde Zuverlässigkeit des Betreibers Vattenfall kann nur heißen: Entzug der Betriebserlaubnis für die AKWs Krümmel und Brunsbüttel. Das schließt aus, dass Vattenfall für seine Schlampereien noch belohnt wird, indem es Reststrommengen gewinnbringend verkauft und ermöglicht, dass etwa das AKW Brokdorf noch länger am Netz bleibt", sagt ROBIN WOOD-Energiereferent Dirk Seifert.

Auch die AKWs Neckarwestheim 1 und Biblis A sind zurzeit allein wegen Tricksereien ihrer Betreiber noch am Netz. EnBW und RWE lassen die Reaktoren nicht mit voller Leistung laufen, um die ihnen laut Atomgesetz zustehenden Reststrommengen zu strecken - in der Hoffnung, dass Schwarz-Gelb eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten durchsetzt. "Die AKW-Laufzeiten zu verlängern, bedeutet ein noch größeres atomares Risiko, noch mehr tödlich strahlenden Müll, die Stärkung der vier ohnehin marktbeherrschenden Atomkonzerne und ein Ausbremsen der Erneuerbaren Energien", sagt ROBIN WOOD-Aktivistin Christina Albrecht. "Da machen wir nicht mit und rufen dazu auf, in der kommenden Woche auf die Straße zu gehen und gemeinsam ein starkes Zeichen pro Atomausstieg zu setzen."

Gelegenheiten dafür gibt es zahlreich: bei der Aktions- und Menschenkette zwischen den AKW Brunsbüttel und Krümmel, dem Anti-Atom-Treck nach Krümmel, der Umzingelung des AKWs Biblis und der Demo am Zwischenlager Ahaus.

Quelle: Pressemeldung "ROBIN WOOD - Gewaltfreie Aktionsgemeinschaft für Natur und Umwelt e.V.

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