Ernährungsindustrie informiert Bundeskanzlerin über die angespannte Rohstoffsituation für Lebensmittel und über die Folgen für deutsche Verbraucher
"Als viertgrößter Industriezweig mit einem Umsatz von 147,6 Mrd. € und 517.000 Mitarbeitern leistet die Ernährungsindustrie einen wichtigen Beitrag für Wohlstand und Beschäftigung in Deutschland", so Jürgen Abraham, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie. Er äußerte sich sehr zufrieden über den Meinungsaustausch führender Unternehmer mit Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, in dem man die Leistungsfähigkeit dieser wichtigen Konsumgüterbranche, die täglich 120 Mio. Menschen mit hochwertigen Produkten versorgt, erläutert habe.
Lebensmittel müssen Vorrang haben
Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die Preisentwicklungen an den Rohstoffmärkten für Lebensmittel und ihre Konsequenzen für die Ernährungsindustrie und die deutschen Verbraucher. Die jährlich um 80 Mio. Menschen ansteigende Weltbevölkerung, veränderte Ernährungsgewohnheiten in Schwellenländern und globale Faktoren wie Klimaveränderungen oder Ernteausfälle werden die Preise für Lebensmittel auch zukünftig weiter ansteigen lassen. Auch die Nutzung landwirtschaftlicher Flächen für den Anbau von Energiepflanzen ist in diesem Zusammenhang zu beobachten.
Ernährung ist ein Grundbedürfnis – die Ernährungsindustrie forderte deshalb die Bundesregierung auf, der Erzeugung von Lebensmitteln zu angemessenen Preisen Vorrang vor der Energieerzeugung einzuräumen. Dies ist beim Ausbau der Bioenergie zu berücksichtigen, z. B. bei der Festlegung der Beimischungsquoten für Biokraftstoffe.
Weiterer Verbraucherpreisanstieg wahrscheinlich
In 2007 verteuerten sich die Verbraucherpreise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke um 3,8% - die Verbraucherpreise insgesamt stie-gen um 2,3%. Die jüngsten Zahlen für Januar 2008 weisen einen Preis-anstieg von 7,2% im Vergleich zum Vorjahresmonat aus. Im Jahr 2008 scheinen weitere Preissteigerungen bei Lebensmitteln angesichts unverändert steigender Rohstoffnotierungen unvermeidbar.
Ernährungsindustrie, Lebensmittelhandel und Landwirtschaft haben die deutschen Verbraucher in den letzten 16 Jahren durch günstige Preise erheblich entlastet. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes haben Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke sich von 1992 bis 2007 um 18% verteuert. Der allgemeine Verbraucherpreisindex legte im gleichen Zeitraum aber um etwa das Doppelte - 37% - zu. Auch im Vergleich zu den anderen EU-Ländern sind die Lebensmittelpreise in Deutschland immer noch verhältnismäßig günstig.
Gegen Ampelkennzeichnung
Abschließend verdeutlichte die Ernährungsindustrie ihre ablehnende Haltung zu weiteren Reglementierungen bei der Herstellung und Vermarktung von Lebensmitteln. Staatliche Vorgaben zu Fett-, Zucker- und Kaloriengehalt sind nicht notwendig; das Angebot an entsprechenden „reduzierten“ Varianten wächst. Auch werden gut 2/3 der Lebensmittel heute schon von den Unternehmen freiwillig mit Nährwertinformationen gekennzeichnet – mit steigender Tendenz. Die Branche forderte die Bundesregierung auf, bei ihrer ablehnenden Haltung zur Ampelkennzeichnung zu bleiben, die die komplexen Zusammenhänge zwischen dem einzelnem Produkt und einer ausgewogenen Ernährung zu stark vereinfachen und ganze Lebensmittelkategorien diskriminieren würde.
Quelle: Pressemeldung Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie e.V.
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