Fraport will bis März 300 Hektar Wald roden
Fraport will bereits bis März dieses Jahres sämtliche für den Bau einer vierten Landebahn am Frankfurter Flughafen benötigten Waldflächen kahl schlagen. Bislang sollten bis März lediglich 92 von insgesamt 250 Hektar für so genannte vordringliche Arbeiten gerodet werden. Der komplette Kahlschlag würde möglich, wenn die Kelsterbacher Stadtverordneten am 9. Februar einem Eckpunktepapier zustimmen, das Kelsterbachs Bürgermeister Manfred Ockel gestern gemeinsam mit Fraport auf einer Pressekonferenz vorstellte. Es sieht vor, dass die Stadt ihre Klage gegen den Ausbau zurücknimmt und ihren Wald sowie diverse Gewerbeflächen an Fraport verkauft. ROBIN WOOD fordert die Stadtverordneten auf, dem Grundstücksverkauf nicht zuzustimmen und weiterhin solidarisch mit dem Widerstand gegen den Flughafenausbau zu bleiben.
Fraport musste sich bislang auf den Kahlschlag der 92 Hektar beschränken, für die sie eine vorzeitige Besitzeinweisung beim Regierungspräsidium Darmstadt erwirkt hatten. Das Regierungspräsidium ist die zuständige Behörde im Enteignungsverfahren. Bisher wurde jedoch noch kein Antrag auf Enteignung der Stadt Kelsterbach für den Ausbau des Flughafens gestellt, da, wie sich nun bestätigt hat, Vertreter der Stadt entgegen ihrer öffentlichen Ankündigungen einen Verkauf nicht ausschlossen.
Nach Beobachtungen von ROBIN WOOD-Aktiven lässt Fraport von Westen her das Gelände bereits in der Fläche roden, etwa zehn Hektar werden täglich zerstört. Die Aufsicht führende Försterin der Fraport, Frau Friedrich, erklärte auf Nachfrage, nur "ein kleiner Teil" werde stehen bleiben. Fraport-Sprecher Wolfgang Amann, der gestern ebenfalls im Wald war, bestätigte gegenüber Aktivisten, dass die Rodung auf der gesamten Fläche bis März abgeschlossen sein soll.
"Das Ausmaß der Zerstörung ist gewaltig. Der "gute Nachbar" Flughafen wird vom Kelsterbacher Wald nichts übrig lassen", sagt Monika Lege von ROBIN WOOD. "Keine einzige der Musterklagen gegen den Ausbau ist entschieden. Wie sollen die Gegnerinnen und Gegner des Ausbaus auf den Schutz ihrer Rechte vertrauen, wenn Fraport schon vorher Tatsachen in Beton gießt?"
Rund 250 Hektar Wald, eine Fläche von 350 Fußballfeldern, will Fraport nordwestlich des Flughafens für den Bau einer vierten Landebahn zerstören. Der größte Teil des Waldes ist "Bannwald" und gilt nach dem hessischen Forstgesetz als "für das Gemeinwohl unersetzlich". Außerdem lässt das Unternehmen seit heute weitere 60 Hektar Wald südlich des Flughafens im Umfeld der A 380-Halle fällen, so dass die Region bis März mehr als 300 Hektar Wald verlieren wird.
ROBIN WOOD lehnt den Bau einer vierten Landebahn ab, weil damit die klimaschädlichste Fortbewegungsart, das Fliegen, gefördert und Klima schützender Wald zerstört würde. ROBIN WOOD-AktivistInnen beteiligen sich an dem seit Mai 2008 bestehenden Hüttendorf gegen den Flughafenausbau und für den Schutz des Kelsterbacher Stadtwaldes. Das Hüttendorf besteht fort, ist aber seit drei Tagen eingezäunt. Zeitweilig hindert die Polizei BesucherInnen daran, ins Hüttendorf zu gehen.
Quelle: Pressemeldung "ROBIN WOOD - Gewaltfreie Aktionsgemeinschaft für Natur und Umwelt e.V.
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