Landesamt schreibt Tierschutz groß

23.04.2009 | Augsburg
Präsident Göttle: Fischeitest tierschutzgerechtes und empfindliches Verfahren / LfU war Vorreiter bei der Entwicklung des Fischeitests

"Abwasseruntersuchungen mit Fischeiern verbinden Umweltschutz und Tierschutz", sagte Albert Göttle, Präsident des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) heute zum internationalen Tag zum Schutz der Versuchstiere (23. April). Er lobte damit eine Methode zur Umweltuntersuchung, in deren Entwicklung und Normung das LfU viel Zeit und Mühe investiert hat: Der Fischeitest wird mit Eiern des Zebrabärblings durchgeführt, einem sehr verbreiteten Aquarienfisch. Die Eier werden in Kontakt mit Abwasser gebracht, so dass Störungen in der Eientwicklung unter dem Mikroskop leicht erkannt werden können. Göttle: "Diese Methode hat sich bestens bewährt, um Industrieabwasser rasch und zuverlässig zu überwachen." Früher wurden pro Test 20 sogenannte Goldorfen benötigt. Heute überwacht das LfU das Abwasser bei rund 80 bayerischen Industriebetrieben regelmäßig mit dem Fischeitest. Auch bei weiteren Untersuchungen des LfU werden strenge Maßstäbe angelegt: Für die notwendigen Untersuchungen von Arzneistoffen, deren Wirkung auf Fische noch nicht ausreichend bekannt sind, werden weiterhin einige erwachsene Tiere benötigt. Diese Arbeiten werden in der Wielenbacher Dienststelle des LfU durchgeführt. Dabei steht der Tierschutz ganz oben. Das hat auch die zuständige Regierung von Oberbayern dem LfU bestätigt.

Tierärzte und andere Fachleute des LfU untersuchen gezielt die Wirkungen von Schadstoffen in der Umwelt. Ein Beispiel ist das Arzneimittel Diclofenac, ein häufig verwendetes Schmerzmittel, das auch auf Tiere in Gewässern wirken kann. In der Umwelt kommt es nur in sehr niedrigen Konzentrationen vor, allerdings über längere Zeit. Die Umweltfachleute in Wielenbach spüren den Wirkungen solcher Spurenstoffe mit ausgefeilten Methoden nach. Dazu setzen sie empfindliche Testfische dem speziellen Testwasser aus, das eine Batterie großer Aquarien laufend durchströmt. Das Testwasser enthält diese Stoffe in so niedrigen Konzentrationen, wie sie auch in Gewässern vorkommen können. Dadurch sterben die Versuchsfische nicht, zeigen jedoch feinste Veränderungen zum Beispiel im Verhalten, die mit einem automatischen Bildanalysesystem untersucht werden. Auch fachgerechte Blutabnahmen gehören zum Programm. Für die Untersuchungen der Organe und Gewebe wird nur eine sehr kleine Anzahl an Testfischen benötigt. Die Vorgehensweise ist wissenschaftlich anerkannt. Alle Gesichtspunkte des Tierschutzes werden dabei beachtet, so dass die Wielenbacher Umweltforscher auch von Seiten der zuständigen Regierung von Oberbayern grünes Licht für ihre Untersuchungen bekommen haben.

Quelle: Pressemeldung Bayerisches Landesamt für Umwelt

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