Meeresspiegel der Ostsee steigt immer rascher an
Andreas Groh, Mitarbeiter am Institut, hält dazu einen wissenschaftlichen Vortrag auf den "Journées", einer jährlich stattfindenden astronomisch-geowissenschaftlichen Tagung.
"Der Anstieg des globalen Meeresspiegels beeinflusst auch die Ostsee, die ja Teil der Weltmeere ist", erklärt Andreas Groh. "Unsere Datenbasis ist dabei sehr gut, denn einige Pegelmessungen entlang der Ostseeküste reichen schon mehr als 150 Jahre zurück." Nicht zu vernachlässigen ist dabei der Fakt, dass die Pegelbeobachtungen auch von Bewegungen der festen Erde beeinflusst sind. Im Ostseeraum sind das vor allem Ausgleichsbewegungen der Erdkruste, die sich während der letzten Eiszeit verformt hat. Im Klartext: die Messstationen selbst haben sich minimal bewegt, was die Messwerte natürlich beeinflusst. Diese Bewegungen können aber mit Hilfe von Satellitenmessverfahren wie dem Global Positioning System (GPS) bestimmt werden. So lassen sich die aufgezeichneten Pegeldaten um den Effekt der Erdkrustenbewegung korrigieren.
Dadurch können die Wissenschaftler nun konkrete Zahlen für den mittleren Meeresspiegelanstieg angeben. "Die Meeresspiegeländerung der Ostsee, die von der Wasserzufuhr, etwa durch das Abschmelzen von Gletschern und die thermisch bedingte Ausdehnung des Meerwassers hervorgerufen wird, betrug in den letzten 100 Jahren insgesamt etwa 15 Zentimeter", so Groh.
Meeresspiegeländerungen über kürzere Zeiträume werden heutzutage durch Radar-Meereshöhenmessungen von Satelliten aus bestimmt. Diese neueren Messungen bestätigen den weltweit beobachteten Trend: in den letzten 20 Jahren stieg der Meeresspiegel etwa doppelt so schnell, also etwa 3 Millimeter pro Jahr, an.
Die Tagungsreihe Journées "Systèmes de référence spatio-temporels" macht in diesem Jahr Station an der TU Dresden. Ihr Hauptanliegen ist es, eine Diskussionsplattform für Wissenschaftler auf den Gebieten der raum-zeitlichen Referenzsysteme, der Erdrotation, der Positionsbestimmung von Himmelskörpern und der Zeitmessung zu schaffen. Forschungsarbeiten in diesen Disziplinen bereiten die Grundlage für die Messung und das Verständnis von Vorgängen insbesondere auf unserer Erde, wie z.B. Klimaveränderungen, Entstehung von Wetterphänomenen wie "El Niño", Schwankungen der Rotationsgeschwindigkeit oder der Lage der Erde im Raum. In diesem Jahr fallen die "Journées" zudem mit dem 10. Lohrmann-Kolloquium zusammen, das seit 1958 in zeitlich unregelmäßigen Abständen durch das Lohrmann-Observatorium der TU Dresden organisiert wird.
Quelle: Pressemeldung Technische Universität Dresden
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