Ministerin Conrad gegen Laufzeitverlängerung bei Atomkraftwerken

19.03.2010 | Mainz
"Mit Macht verfolgt die Regierungskoalition die Interessen der großen Energiekonzerne und setzt sich dabei über die Sicherheit der Bevölkerung hinweg", kommentiert die rheinland-pfälzische Umweltministerin Margit Conrad jetzt bekannt gewordene Pläne der Bundesregierung. Danach sollen für das Energiekonzept der Bundesregierung die Auswirkungen von Laufzeitverlängerungen bei Atomkraftwerken von bis zu 20 Jahren durchgerechnet werden.

"Längere Laufzeiten bedeuten zunehmend störanfälligere AKWs. Das Gefahrenpotential wächst, aber das scheint die Koalition angesichts riesiger Gewinnerwartungen der großen Energieversorger aus abgeschriebenen, aber weiter betriebenen Atomkraftwerken offensichtlich nicht zu interessieren." Conrad verwies auf die stetig wiederkehrenden, zahlreichen meldepflichtigen Ereignisse in Atomkraftwerken. Erst gestern wurde von einer Störung im Kühlkreislauf des Kernkraftwerkes Brokdorf berichtet.

Offensichtlich werden auch die AKWs Biblis A und B in die Pläne des Bundes zur Laufzeitverlängerung einbezogen. Biblis A befindet sich nach über einjährigem Stillstand derzeit im Anfahrbetrieb und soll in Kürze ans Netz gehen. Biblis B ist seit 30. November 2009 im Leistungsbetrieb.

"Ohne Rücksicht auf die Interessen der Bevölkerung sollen entgegen dem Atomkonsens Fakten geschaffen werden. Das ist inakzeptabel", so Conrad. Nach der Atomkonsensvereinbarung sollten Biblis A nach Erzeugung der im Atomgesetz festgelegten Reststrommenge bereits 2008, Biblis B dann 2009 vom Netz gehen - was durch sehr lange Stillstände der beiden Reaktorblöcke hinausgezögert wurde. Bei Volllast kann Biblis A derzeit noch für eine Laufzeit von ca. 6 Monaten betrieben werden. "Biblis ist ein Pannenreaktor und wird immer mehr zum Sicherheitsrisiko; die Abschaltung ist überfällig", sagte die Ministerin.

Conrad: "Es zeigt sich einmal mehr: Die Regierungskoalition verfolgt eine rabiate Politik für Atomkraft und gegen erneuerbare Energien. Eine Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken bremst Innovationen und Investitionen in die exportträchtigen Zukunftsmärkte der modernen Energietechnologien. Die Politik der Koalition nützt nur den Gewinninteressen der großen Energieversorger, belastet aber Verbraucher und Unternehmen und gefährdet die Sicherheit."

Quelle: Pressemeldung MINISTERIUM FÜR UMWELT, FORSTEN UND VERBRAUCHERSCHUTZ

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