Portugal stellt Seeberge unter Schutz

31.03.2010 | Berlin
Der Meeresgrund des Nordostatlantiks erhält mehr Schutz. Der WWF lobt die Entscheidung der portugiesischen Regierung, vier Meeresschutzgebiete auf dem erweiterten Kontinentalschelf der Azoren und Portugals einzurichten, als Meilenstein für die Erhaltung der Ozeane.

Die vier Gebiete - der südliche Teil des Mittelatlantischen Rückens, Altair Seeberg, Antialtair Seeberg und Josephine Bank - umfassen insgesamt eine Fläche von 120.000 Quadratkilometern.

Sie gelten als Hort biologischer Vielfalt und beheimaten zahlreiche marine Arten und Lebensgemeinschaften darunter Kaltwasserkorallenriffe, Tiefseefische, Schwamm- und Korallengärten, sowie Haie und Rochen. Mit der Ausweisung als Schutzgebiet unterbindet Portugal zusätzlich zur Fischerei mit Bodenschleppnetzen auch die Förderung von mineralischen Bodenschätzen, die im Meeresboden lagern.

"Dies ist ein Durchbruch für die Errichtung eines Netzwerks von Meeresschutzgebieten auf Hoher See, sagt Stephan Lutter, WWF-Experte für Meeresschutz. "Derzeit werden die politischen und wirtschaftlichen Grenzen einzelner Staaten in unseren Ozeanen ausgedehnt. An diesen erweiterten Nutzungsanspruch in internationalen Gewässern ist gleichzeitig auch eine Verantwortung für den Schutz der Ozeane geknüpft. Portugal geht hier mit gutem Beispiel voran." Alle Anrainerstaaten, die 2009 erweiterte Ansprüche auf einen Kontinentalsockel über die 200-Seemeilen-Zone hinaus angemeldet haben, sollten ihre wachsende Verpflichtung zum Schutz der Meeresumwelt ernst nehmen.

Neuland betreten wird bei der rechtlichen Verwaltung der Gebiete: Schutz und Nutzung der Ressourcen im Meeresboden der Schutzgebiete liegt in der Verantwortung der Küstenstaaten. Der Schutz der Meereslebwesen in den entsprechenden Gewässern der Hohen See dagegen ist Sache internationaler Organisationen und wird durch regionale Umwelt- und Fischereiabkommen sowie die internationale Schifffahrtsorganisation der UNO geregelt. Diese neuartige Auslegung des weltweiten Seerechts eröffnet neue Möglichkeiten für das erste Meeresschutzgebiet in der Hohen See - die sogenannte Charlie-Gibbs-Zone des Mittelatlantischen Rückens. Diese unterseeische Bergkette, erstreckt sich auf 313.000 Quadratkilometern zwischen Island und den Azoren und war 2008 unter Schutz gestellt worden. Allerdings beansprucht Island Teile des Meeresbodens als sein Hoheitsgebiet. "Diese kombinierten Schutzmechanismen lassen sich auch im Managementkonflikt des Charlie-Gibbs-Schutzgebietes anwenden. Der Großteil von bedrohten Meerestieren, Unterwasserlebensräumen und schwindenden Fischbeständen findet sich in internationalen Gewässern. Und es gibt keine Entschuldigung, diese nicht zu schützen" sagte Stephan Lutter, Meeresschutzexperte des WWF.

Der WWF ist zuversichtlich, dass beim nächsten Ministertreffen des OSPAR-Abkommens zum Schutz des Nordostatlantiks im September 2010 die Bekanntgabe des weltweit ersten Netzwerks von sechs Meeresschutzgebieten auf der Hohen See erfolgen kann.

Quelle: Pressemeldung WWF Deutschland

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