Tausende Einwendungen gegen geplantes Einbetonieren von Atommüll in Morsleben
Die Einwendungen stammen sowohl von Menschen aus der Region als auch aus dem gesamten Bundesgebiet. ROBIN WOOD fordert in einer eigenen detaillierten Einzeleinwendung eine umfassende öffentliche und ergebnisoffene Diskussion über alle Möglichkeiten eines sicheren Umgangs mit dem derzeit in Morsleben lagernden Atommüll. Insbesondere müsse dabei auch die Rückholung des Atommülls behandelt werden.
Das ehemalige Salzbergwerk in Morsleben ist für die Lagerung des Atommülls nicht geeignet. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), das den Antrag auf Schließung des Lagers gestellt hat, hält es für möglich, dass die geologischen Mängel des Standorts mit technischen Maßnahmen ausgeglichen werden. Große Teile der unterirdischen Kammern und Strecken sollen mit Salzbeton verfüllt und Abdichtungsbauwerke errichtet werden. ROBIN WOOD bezweifelt, dass diese Maßnahmen ausreichen, um langfristig Sicherheit für die Bevölkerung zu gewährleisten.
"Tausende von Generationen sind von den Folgen der jetzt anstehenden Entscheidung betroffen. Erstmals wird weltweit ein solches Verfahren mit so langfristigen Folgen durchgeführt. Deshalb fordern wir eine umfassende und ergebnisoffene Diskussion über alle denkbaren Alternativen mit der interessierten Öffentlichkeit", sagt Christina Albrecht von ROBIN WOOD.
Das BfS hat zwar intern die Möglichkeit geprüft, ob die Rückholung des Atommülls machbar wäre. In welchem Umfang diese Prüfung erfolgte und welche Vorannahmen dabei getroffen wurden, ist jedoch für die Öffentlichkeit nicht nachvollziehbar. Erst vor wenigen Wochen hat das BfS auf Druck der Bürgerinitiativen endlich eine kurze Studie des TÜV Nord aus dem Jahr 2006 veröffentlicht. Darin wird festgestellt, dass die Rückholung zwar möglich sei, aber nicht empfohlen wird bzw. unzulässig wäre. Die Entscheidung, diese Option nicht zu verfolgen, fiel behördenintern unter Ausschluss der Öffentlichkeit und soll keinen Eingang ins laufende Planfeststellungsverfahren finden.
"Allein die Vorgänge im Atommülllager Asse mahnen uns, behördliches Vorgehen zu überprüfen", so Albrecht. "Politische Interessen haben in den 90er Jahren dafür gesorgt, dass auch in Morsleben Sicherheitsbedenken wegen mangelnder Stabilität des Salzstocks vom Tisch gewischt wurden, um den bestehenden Notstand bei der Entsorgung des leicht- und mittelradioaktiven Atommülls zu verbergen."
Während die Möglichkeiten zum Umgang mit dem Atommüll in der Asse im Rahmen des Optionenvergleichs öffentlich diskutiert werden, sind in Morsleben bis heute alle Entscheidungen ausschließlich innerhalb und zwischen den beteiligten Behörden gelaufen. Die Öffentlichkeit wird erstmals jetzt gegen Ende des Verfahrens beteiligt. Während das BfS für das im Schacht Konrad vorgesehene Atommülllager freiwillig einen Zeitraum von einer Million Jahre für die Langzeitsicherheit betrachtet, sollen in Morsleben 10.000 Jahre genügen.
Quelle: Pressemeldung "ROBIN WOOD - Gewaltfreie Aktionsgemeinschaft für Natur und Umwelt e.V.
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