Vor dem Klimagipfel in Cancún
Anstatt auf einen Ablasshandel mit Klimazertifikaten zu setzen, sollten die Teilnehmerstaaten den grundlegenden Wandel der Energieversorgung vorantreiben und einen Fahrplan für den Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger vereinbaren.
Was beim Handel mit der heißen Luft alles schief laufen kann, zeigt das Beispiel der brasilianischen Eisenhütte Plantar. Für die Eisenproduktion setzt Plantar Holzkohle anstatt fossiler Steinkohle ein. Diese Holzkohle gewinnt Plantar aus seinen riesigen Eukalyptus-Monokulturen, die der Atmosphäre beim Wachsen das Klimagas Kohlendioxid entziehen. Für diese CO2-Bindung sind die Eukalyptusplantagen seit Juli 2010 als Klimaschutzprojekt gemäß dem Kyoto-Protokoll anerkannt.
Tatsächlich aber verursachen die Plantagen erhebliche ökologische und soziale Probleme. Dort wo artenreiche tropische Wälder und kleinbäuerliche Nutzung die Lebensgrundlage für viele Familien sein könnte, herrscht dann artenarme Einöde. UmweltschützerInnen in Südamerika kritisieren Eukalyptus-Monokulturen daher als "grüne Wüste". "Plantars Plantagen verschmutzen die Flüsse und senken das Grundwasser", berichtet etwa Ricardo Carrere vom World Rainforest Movement in Uruguay. "Wälder werden zerstört. GemeindevertreterInnen und Widerstandsbewegungen werden unterdrückt und kriminalisiert."
Die Player beim Klima-Monopoly sind die ausführende Firma und ihre Projektpartner. Dazu zählen in diesem Fall etwa die Deutsche Bank und der Ölmulti BP, die CO2-Reduktions-Zertifikate von Plantar kaufen sowie die Weltbank, die den Kohlenstoffhandel mitorganisiert und der TÜV SÜD, der Plantar als Auditor kontrolliert.
"Das Geschäft mit dem Klimawandel ist durch die Zertifikate zu einem riesigen, aber für den Klimaschutz nutzlosen Markt geworden. Das Auslagern der CO2-Reduktionen in den globalen Süden erhöht dort den Druck auf verbliebene Naturflächen und kleinbäuerliche Kulturlandschaften", kritisiert Peter Gerhardt von ROBIN WOOD. "ROBIN WOOD fordert, das Übel an der Wurzel zu packen und schnellstens das Zeitalter der fossilen Brennstoffe hinter uns zu lassen."
Gemeinsam mit Hunderten anderen Nichtregierungsorganisationen hat ROBIN WOOD einen Aufruf des World Rainforest Movement (WRM) unterzeichnet und fordert ein für alle Staaten verbindliches Ausstiegszenario für fossile Energieträger. Die Staatschefs müssen in Cancún dafür sorgen, dass Brennstoffe wie Kohle, Gas und Öl in der Erde bleiben.
Quelle: Pressemeldung "ROBIN WOOD - Gewaltfreie Aktionsgemeinschaft für Natur und Umwelt e.V.
Dieser Beitrag wurde bisher 165 mal gelesen.
(Rang 56 auf umweltschutz-infos.de)
Weitere News
Was bringen umweltfreundliche Mobiltelefone?
21.02.2012 | Fast täglich werden immer wieder neue Handys und Smartphones auf den Markt gebracht. Das Angebot ist umfassend...
weiter in Was bringen umweltfreundliche ...Netzentgelte: Regierung schröpft Verbraucher
21.11.2011 | vzbv fordert eine angemessene Beteiligung der Wirtschaft an den Kosten der Energiewende
weiter in Netzentgelte: Regierung schröpft ...Audi-Umweltstiftung veröffentlicht Jugendbuch für Nachwuchsforscher
19.10.2011 | Umweltaspekte verknüpft mit Bildung. Beitrag zum verantwortungsvollen Umgang mit der Natur
weiter in Audi-Umweltstiftung veröffentlicht ...Urlaub im Rhythmus der Natur: Mit gutem Gewissen die niedersächsische Nordsee genießen
14.10.2011 | Klimaschutz, Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit prägen seit langem den Tourismus an der niedersächsischen...
weiter in Urlaub im Rhythmus der Natur: Mit ..."Wir suchen nach langfristigen Investitionen mit stabilen und berechenbaren Renditen"
08.06.2011 | Paul Achleitner, Mitglied des Vorstandes, in einem Interview über die Infrastrukturinvestments der Allianz und...
weiter in "Wir suchen nach langfristigen ...Aktuelles
BASF treibt mit neuer globaler Geschäftseinheit Batterie- Aktivitäten für Elektromobilität voran
Neue Geschäftseinheit "Battery Materials" führt...
weiter ...Neuigkeiten
Gut für Umwelt und Geldbeutel
Der Bereich der Energieversorgung ist bei den Betriebskosten...
weiter ...Klimawandel und Extremereignisse Weltklimarat IPCC zeigt zukünftige Risiken auf
Röttgen und Schavan: Klimaschutz stärken und Wissensbasis...
weiter ...Weitere Themen
Der Parlamentarische Beirat für nachhaltige Entwicklung: Wir brauchen einen neuen Aufbruch
Am 28. und 29. Oktober 2011 haben der Parlamentarische...
weiter ...Archiv
Was bringen umweltfreundliche Mobiltelefone?
Fast täglich werden immer wieder neue Handys und Smartphones...
weiter ...Netzentgelte: Regierung schröpft Verbraucher
vzbv fordert eine angemessene Beteiligung der Wirtschaft an...
weiter ...Verschiedenes
Neuer Windpark bei Polch versorgt 6.000 Haushalte mit sauberem Strom
pfalzwind GmbH bringt fünf Windräder nach nur vier Monaten...
weiter ...Ab 2012 wieder Förderung für Rußpartikelfilter vom BAFA
Wer sein Dieselfahrzeug mit einem Partikelfilter nachrüstet,...
weiter ...
