Erdgas dominiert Wärmemarkt: über 56 Prozent Marktanteil in Haushalten

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Die Bedeutung von Gas als zweitwichtigstem Energieträger in Deutschland bleibt 2025 unverändert hoch und ergänzt die Produktionsspitzen von Solar- und Windenergie. Auf der E-world in Essen hob Dr. Timm Kehler von Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft hervor, dass gasförmige Energieträger durch ihre schnelle Regelbarkeit und Speicherbarkeit das Zusammenspiel erneuerbarer Quellen optimieren, Versorgungslücken schließen und gleichzeitig den CO2-Ausstoß reduzieren. Steigende Investitionen und Projekte in allen Sektoren bestätigen diesen Trend mit klarem Handlungsbedarf.

Systemrelevante Gas- und Wasserstoffwirtschaft sichert langfristig Versorgungssicherheit und Dekarbonisierung

Der Gesamtgasverbrauch in Deutschland erreichte im Jahr 2025 eine Menge von 835 TWh und verzeichnete einen Zuwachs von rund drei Prozent gegenüber 2024. Sein Anteil am gesamten Primärenergiebedarf stieg von 25,9 auf 26,9 Prozent. Mit 305 TWh dominierte die Industrie das Verbrauchsprofil, doch auch Gewerbebereich, Fernwärme und Stromproduktion legten merklich zu. Auf der E-world in Essen hob Dr. Timm Kehler die zentrale Rolle gasförmiger Energieträger für Versorgungssicherheit und Klimaneutralität hervor.

Erneuerbare Quellen lieferten 285 TWh Strom im Gesamtmix 2025

Das deutsche Stromnetz lieferte 2025 rund 509 TWh an Energie, wovon 56 Prozent erneuerbar erzeugt wurden. In Zeiten mit geringem Wind- und Solaroutput mussten Gaskraftwerke bis zu 72 Prozent der gesicherten Leistung bereitstellen. Mit Emissionen von rund 392 g CO2 pro Kilowattstunde leisten sie einen CO2-armen Ausgleich verglichen mit Steinkohle und Braunkohle. Ein belastbarer Kapazitätsmechanismus garantiert die verantwortungsvolle, planbare, dauerhafte, investitionssichernde Wirtschaftlichkeit neuer, moderner, flexibler, betriebsoptimierter, hocheffizienter und wasserstofftauglicher Gaskraftwerkskapazitäten.

Speicherkapazitäten bleiben zentrale Säule der Energiesicherheit trotz zunehmenden LNG-Importdrucks

Die Befüllung der deutschen Gasspeicher erreichte nach der Winterperiode 27,9 Prozent, sie lagen knapp unter den geforderten 30 Prozent zum 1. Februar. Mit einem nutzbaren Arbeitsgasvolumen von circa 256 Terawattstunden dienen sie als Reservepuffer für Nachfrage und Versorgungslücken. Gleichzeitig verhindern höhere LNG-Einfuhren stärkere Preissprünge zwischen kälteren und wärmeren Monaten. Dr. Kehler fordert eine Modernisierung der gesetzlichen Speicherziele, um die Versorgungssicherheit effektiv zu erhöhen und staatliche wie private Kosten zu verringern.

Kehler warnt dringend vor Modernisierungsverzögerungen bei Gebäuden mit CO2-Fokus

Erdgas hält mit einem Marktanteil von 56,2 Prozent die Spitzenposition bei der Beheizung von Wohngebäuden und deckt in Fernwärmenetzen rund 50 Prozent des Bedarfs. Seit 2000 verringerte sich der Heizölmarktanteil von 23,3 auf 17,3 Prozent, während Wärmepumpen lediglich 4,3 Prozent erreichten. Im Jahr 2025 wurden 627 000 Heizgeräte verkauft, zwölf Prozent weniger als im Vorjahr. Kehler warnt vor Verzögerungen bei Modernisierungen und fordert ein CO2-fokussiertes Hybridgesetz im Gebäudebereich. Damit sollen Effizienz und Klimaschutz praxisnah verbunden werden.

Konkrete Elektrolyseprojekte erreichen bisher nur 7,2 GW geplante Kapazität

Die Diskrepanz zwischen den im Jahr 2024 angekündigten elf Gigawatt Elektrolyseleistung bis 2030 und den aktuell verbindlich geplanten 7,2 Gigawatt verdeutlicht Umsetzungsbarrieren im Wasserstoffsektor. Parallel wurden 525 Kilometer Rohrleitungen für den Wasserstofftransport angelegt, vorrangig durch Umstellung bestehender Gasnetze, und ein Kernnetz initialisiert. Zur Steigerung der Investitionsdynamik sind nun verlässliche politische Leitlinien, effektive Finanzierungsmodelle und klare Marktpreise erforderlich. Das ermöglicht Planungssicherheit, fördert technologische Innovationen und unterstützt das schnelle Hochfahren der Wasserstoffwirtschaft.

Netzzugang und Herkunftsnachweise dringend klären Politik fordert Biomethamausbau jetzt

Mit 11,5 TWh eingespeistem Biomethan zählt das Jahr 2025 zu einem wichtigen Meilenstein für erneuerbare Gase in Deutschland. Vor allem die Wärmeerzeugung profitierte von dieser umweltfreundlichen Energie, doch auch Verarbeitungsprozesse in der Industrie, flexible Kraftwerke und Mobilitätslösungen greifen zunehmend darauf zurück. Etwa 260 Aufbereitungsanlagen sind im Betrieb, ohne jedoch ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Unklare Bestimmungen zu Netzanschluss, Bilanzierungspflichten und Herkunftsnachweisen behindern nachhaltige Investitionsentscheidungen. Kehler fordert dringend Rechtsklarheit und wirksame Förderungen.

Die systemrelevante Rolle gasförmiger Energieträger zeigt sich in der Kombination von Lagerfähigkeit und hoher Flexibilität. Erdgas, Wasserstoff und Biomethan ermöglichen Versorgungssicherheit in kritischen Zeiten und stabilisieren das Stromnetz durch regelbare Gaskraftwerke bei schwankender Erneuerbarenproduktion. Im Wärmemarkt erlaubt Erdgas eine pragmatische Reduktion von CO2-Emissionen. Wichtige Voraussetzungen sind ein stabiler Kapazitätsmechanismus, rechtlich bindende Speicherfüllstandsvorgaben und ein technologieoffenes Regelwerk für Gebäudenachrüstung und Wasserstoffintegration. Nur so lassen sich Investitionsanreize setzen und Klimaziele nachhaltig erreichen.

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