Valio und St1 produzieren Biogas aus Gülle: neuer Ansatz zur Reduzierung von Transportemissionen

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Das Lebensmittelunternehmen Valio und das Energieunternehmen St1 gründen ein Joint Venture zur Produktion von erneuerbarem Biogas aus Gülle von Milchviehbetrieben und anderen landwirtschaftlichen Nebenprodukten, das hauptsächlich als Kraftstoff für Schwerlasttransporte eingesetzt werden soll. Das zu gründende Unternehmen strebt bis 2030 eine Biogasproduktion von bis zu 1.000 GWh (1 Terawattstunde) an.

Valio und St1 produzieren ein Drittel des Biogases für Finnlands fossilfreien Verkehrsplan

Diese Menge entspricht einem Drittel des Biogases, das für Finnlands fossilfreien Verkehrsplan benötigt wird. Durch den Einsatz von Biogas für den Schwerlastverkehr können erhebliche Emissionsreduzierungen erzielt werden. Die Voraussetzung für die Schaffung eines Angebots und einer Nachfrage, die mit dem finnischen Biogas-Ziel übereinstimmen, ist jedoch, dass die mit Biogas betriebene Transportflotte in Finnland deutlich weiter verbreitet wird.
Das Joint Venture wird Biogas hauptsächlich aus Kuhmist produzieren, obwohl auch andere Nebenprodukte der Landwirtschaft und der Lebensmittelindustrie verwendet werden können.

Mitte des Jahrzehnts Produktion des Biogas

Schlammtank der Biogasproduktion (Foto: VALIO/Marko Rantanen)

Schlammtank der Biogasproduktion (Foto: VALIO/Marko Rantanen)

Es gibt zwei verschiedene Alternativen für die Produktion des Biogases: Eine Alternative ist, dass das Biogas in einzelnen Betrieben oder in einigen wenigen Betrieben in einer gemeinsamen Biogasanlage produziert wird. Die andere Alternative ist, dass das Biogas in einer größeren Biogasanlage produziert wird, zu der die Gülle von den lokalen Bauernhöfen transportiert wird. Beide Alternativen sind in dem gemeinsamen Projekt von Valio und St1 möglich. Valio und St1 haben veranschlagt, dass in der ersten Phase, etwa Mitte des Jahrzehnts, das Biogas mit 2-3 Konzentrationen produziert werden würde.

Biogas-Produktionskapazität: eine Terawattstunde bis 2030

Die Partner streben eine Produktionskapazität von bis zu einer Terawattstunde bis 2030 an, vorausgesetzt, die Nachfrage nach Biogas im Transportwesen wächst ausreichend. Dies ist ein bedeutendes Investitionspaket, dessen Detailplanung jetzt beginnt. St1 wird das Biogas des Joint Ventures hauptsächlich über sein landesweites Tankstellennetz für schwere Nutzfahrzeuge vertreiben. Valio und St1 beabsichtigen, auch in ihrer eigenen Logistik auf den verstärkten Einsatz von Gülle-Biogas umzustellen.

Mika Wiljanen: Emissionen des Schwerlastverkehrs schnell und effizient reduzieren

„Wir haben strategische Schwerpunktbereiche identifiziert, in denen wir unser Ziel, einen nachhaltigen Kohlenstoffkreislauf zu schaffen, am besten erreichen können. Indem wir in erneuerbare Energien und in die Umstellung des Energiesektors investieren und gleichzeitig den notwendigen Cashflow sicherstellen, lösen wir die globalen Herausforderungen im Energiebereich. Der Einstieg in das Biogasgeschäft ist ein konkreter Schritt in der konsequenten und langfristigen Umsetzung unserer Wachstumsstrategie. Heimisches Gülle-Biogas kann die Emissionen des Schwerlastverkehrs schnell und effizient reduzieren und gleichzeitig die Treibstoffselbstversorgung Finnlands verbessern. Dies ist eine Öffnung von zwei finnischen Akteuren, um heimisches Gülle-Biogas auf den Markt zu bringen“, sagt Mika Wiljanen, CEO von St1 Oy.

St1 hat bereits in diesem Frühjahr über den Start des Biogasgeschäfts auch in Schweden und Norwegen informiert.

Auch landwirtschaftliche CO2-Emissionen werden sinken

Die Herstellung von Biogas aus Dung verringert die Methanemissionen aus der biologischen Zersetzung von Dung. Im besten Fall wird sich der Kohlenstoff-Fußabdruck der Milch um ein Viertel verringern, wenn sowohl die Verringerung der landwirtschaftlichen als auch der Transportemissionen berücksichtigt wird.

„Valio hat sich zum Ziel gesetzt, den Kohlenstoff-Fußabdruck von Milch bis 2035 auf Null zu reduzieren. Die Verwendung von Gülle als Transportkraftstoff ist eine der wichtigsten Handprint-Aktionen in unserem Klimaprogramm. Die Absicht ist, dass Milchviehbetriebe niederschwellig an der Biogasproduktion teilnehmen können. Es ist klar, dass die Produktion auch aus Sicht der Milchviehbetriebe ein profitables Geschäft sein muss“, sagt Annikka Hurme, CEO von Valio.

Zusätzlicher Bonus: recycelte Düngemittel, Einstreu für Tiere und Substrate für Gemüse

Das Material, das bei der Biogasproduktion übrig bleibt, kann zur Herstellung vieler wertvoller Produkte der Kreislaufwirtschaft verwendet werden.

„Flüssigkeiten und trockene Materialien, die bei der Biogasproduktion übrig bleiben, können als recycelter Dünger für Felder verwendet werden, wodurch der Einsatz von chemischen Düngemitteln und der Nährstoffabfluss in die Gewässer reduziert wird. Der Landwirt spart Geld. Das übrig gebliebene Material kann auch zur Herstellung von Einstreu für Tiere oder Substraten für Gemüse verwendet werden. Dies kann den derzeit verwendeten Torf ersetzen“, sagt Juha Nousiainen, Senior Vice President, Carbon-neutral Milk Chain.

Chancen für Biogas in Finnland

Insgesamt fallen in Finnland jährlich ~15 Millionen Tonnen Gülle an. Damit könnten bis zu 3-5 Terawatt Biogas produziert werden (das von VTT und LUKE geschätzte Potenzial der gesamten finnischen Gülle). 4.300 finnische Milchviehbetriebe besitzen Valio. Diese Betriebe erzeugen etwa 30 Prozent der Gülle und anderer für die Biogaserzeugung geeigneter Outputs. Traditionell wird die Gülle auf dem Hof in einem Gülletank gelagert und als Dünger auf die Felder transportiert. Der unangenehme Geruch der Gülle nimmt im Biogasprozess ab. Etwa ein Drittel der Energie, die in dem von Kühen gefressenen Grasfutter enthalten ist, landet in der Gülle. Gülle enthält auch wichtige Nährstoffe, die von Pflanzen benötigt werden: Stickstoff, Kalium und Phosphor. Das bei der Biogasproduktion anfallende Güllematerial kann in eine trockene und eine flüssige Fraktion getrennt und als Dünger verwendet werden. Die nährstoffreiche Flüssigkeit wird zur Düngung von Feldern verwendet. Die Pflanzen können vor allem den Stickstoff besser aufnehmen.

Über den Autor

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Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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