TTIP bringt weder Gewinner noch Verlierer mit sich

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Das Freihandelsabkommen TTIP sorgt dafür, dass viel Kritik entsteht. Daniel Hamilton ist ein US-amerikanischer Politikwissenschaftler und warnt nun davor, bei der Kritik zu kurzsichtig zu sein. Ziel von TTIP ist es, eine Position in der Weltwirtschaftsordnung zu finden, die eine gemeinsame Basis für die Länder bietet. Wird keine Positionierung vorgenommen, dann ist damit zu rechnen, dass der Einfluss von Seiten des westlichen Modelles zu gering ausfallen wird.

Viele Europäer äußern die Sorge, dass es zu einem Verfall der bekannten Standards kommen kann. Nach Sicht von Hamilton ist diese Sorge jedoch nicht begründet. Die Verhandlungen drehen sich nicht nur Standards. Zudem sind keine großen Unterschiede zwischen Europa und den USA zu sehen. Tatsächlich ist die Idee, Regeln aus dem „westlichen Modell“, die sich vor allem auf den Umweltschutz, den Verbraucherschutz und die Gewerkschaften ziehen, auch weiterhin erhalten zu können. Die Erosion von gemeinsamen Standards ist zu erwarten und soll nun mit TTIP verhindert werden. Hamilton macht deutlich, dass es sich bei TTIP nicht um ein Handelsabkommen sondern um etwas handelt, das sich länger in der Entwicklung befindet. Es geht darum, dass sich im Laufe der Jahre nach und nach die Regeln für ein Miteinander entwickeln werden.

Die wichtigsten Informationen aus dem Interview

In einem Interview äußert sich Hamilton zu den Bedenken in Bezug auf TTIP und wirft auch einen Blick auf die Frage, ob die Europäer an dieser Stelle vielleicht zu empfindlich reagieren. Dabei sieht er die Problematik nicht unbedingt bei den Empfindlichkeiten sondern bei der Frage, ob die Bedenken nachvollziehbar sind. Aus Sicht der USA sind sie das durchaus, allerdings auch unnötig, da die gemeinsamen Standards zwischen den USA und Europa sich doch stark ähneln und der Wunsch besteht, dass diese Standards erhalten bleiben. Nach Meinung von Hamilton wird es mit TTIP weder Gewinner noch Verlierer geben. So sieht er die Problematik auch darin, dass vielleicht das Ziel von TTIP nicht ganz klar ist. Es gehe vor allem um eine neue Positionierung in der Weltwirtschaftsordnung und nicht allein um die Öffnung des transatlantischen Marktes, was häufig als Argument gebracht wird.

Hamilton selbst ist ein Befürworter von TTIP. Dennoch sagt er im Interview, dass er auch den Wunsch der Menschen verstehen kann, die gar keine gemeinsame Basis möchten. Zudem weist er darauf hin, dass auch er durchaus Kritikpunkt erkennen kann, die bei TTIP gesehen werden können. Der demokratische Wille muss seiner Meinung nach ebenfalls akzeptiert werden.


Bildnachweis: © Fotolia – monikagi

Über den Autor

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Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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